Sonstige
Die Ausbildung der Kaufleute für audiovisuelle Medien bei der Magic Media Company
Erfahrungsbericht
Die MMC ist keine klassische Produktionsfirma, sondern eher ein Mediendienstleister für viele Bereiche. In erster Linie geht es darum, die Film- und Fernsehstudios in Hürth und Köln-Ossendorf zu vermieten, meistens mit kompletter Studiotechnik inkl. Licht und Personal.
Anforderungen
Die schulischen Voraussetzungen sind von Betrieb zu Betrieb unterschiedlich. Meistens, auch bei der MMC, wurden gerne Abitur, Fachhochschulreife oder der Abschluss einer höheren Handelsschule gesehen. Interesse für kaufmännische Aufgaben, mathematische Begabung und ein ausgeprägtes Kostenbewusstsein sollte man ebenso mitbringen wie Organisationstalent und Flexibilität. Mit Zahlen umgehen und sie deuten können ist nicht nur in der Finanzbuchhaltung und im Controlling wichtig, sondern auch in der Projektleitung.
Außerdem sollte man sehr selbstständig arbeiten können. Fragen sind natürlich erlaubt und gerne gehört - wenn Zeit dafür ist - manchmal geht es aber sehr stressig zu und man muss zusehen, dass man sich auch ohne klare Anweisungen nützlich macht.
Absolut sinnvoll finde ich es, vorher ein Praktikum bei der MMC zu machen. Dann kennt man zu Beginn der Ausbildung schon einige Mitarbeiter, die Gelände in Hürth und Ossendorf und die Lage der Studios. Man findet sich direkt zurecht und weiß, an wen man sich bei verschiedenen Aufgaben und Fragen wenden kann. Außerdem kann man so auch mit Sicherheit sagen, ob einem der Betrieb, die Mitarbeiter, das Arbeitsklima, die Arbeitszeiten und die Aufgaben liegen oder vielleicht doch nicht.
Arbeitszeit und Arbeitsbelastung
Die Regelarbeitszeit betrug 8 Stunden am Tag plus 30 Minuten oder 1 Stunde Pause, das konnte man relativ frei entscheiden. Natürlich, wenn viel zu tun war, und gerade wenn man im produktiven Bereich war, machte man auch mal die eine oder andere Überstunde, die man aber wieder abfeiern konnte. Belastbar sollte man dennoch sein. Die Arbeitszeiten sind einfach anders und für viele gewöhnungsbedürftig (z.B. war ich oft samstags bei „Deutschland sucht den Superstar“. Der Arbeitsbeginn war gegen 15:00 Uhr, das Arbeitsende um ca. 00:30 Uhr).
Aber es wurde nichts Unmögliches von einem verlangt. Es wurde Rücksicht darauf genommen, dass man Azubi ist. Man sollte zwar etwas lernen und den Beruf richtig kennenlernen, aber man sollte auch Spaß bei der Arbeit haben. Man muss nur wissen, im richtigen Moment den Mund aufzumachen und zu sagen, wenn einem etwas nicht passt: Wenn man z.B. nur für Botenfahrten, Kopierarbeiten oder zum Kaffeekochen eingesetzt wird. Das sollte einem aber nicht passieren, wenn man interessiert und engagiert ist und sich auch immer wieder gerne an neue Sachen herantraut.
Tätigkeitsbereiche / Abteilungen
Meine Tätigkeitsbereiche gliederten sich wie folgt:
- Technik (Settechnik - Bild, Ton, Beschallung- und Regie)
Der Bereich Technik ist sehr vielseitig und nach der Produktion der wichtigste während der Ausbildung bei der MMC.
Schon am zweiten Tag meiner Ausbildung war ich im Studio dabei, und zwar bei der SAT.1 Show „Clever – Die Show, die Wissen schafft“. Dort habe ich einen ersten Einblick in die Aufgaben der Tontechniker am Set bekommen.
Am nächsten Tag war ich bei der RTL Musik-Show „Top of the Pops“ und habe dort vieles zum Thema Beschallung im Studio erklärt bekommen und durfte auch selber an die Regler.
Am Sonntag wurde ich bei der Settechnik von „Big Brother VI“ eingesetzt und habe dort Gäste und Moderatoren mikrofoniert. Diesen „Übertag“ durfte ich übrigens schon in der kommenden Woche wieder frei machen. Das wurde immer sehr unkompliziert gehandhabt.
In den nächsten Wochen konnte ich immer wieder meine bis dahin erworbenen Kenntnisse anwenden und habe trotzdem jeden Tag Neues dazugelernt.
Einige meiner Aufgaben im Laufe der Zeit waren z.B. der Materialcheck zu Beginn des Arbeitstages, das Aufbauen und Verkabeln von Lautsprechern und Monitoren im Studio, der Line-Check mit allen Taschen- und Handsendern (Mikrofonen), das Kameramatching, die Mikrofonierung der Gäste der „Oliver Geissen Show“ oder auch von Dieter Bohlen bei „Deutschland sucht den Superstar“, die Funkenausgabe ans Team, die Wartung (Funkenaustausch, Akkuwechsel) und Rücknahme, das Verlegen der Atmo-Mikrofone oben auf dem Catwalk, das Montieren des Teleprompters und auch das Steuern des Beschallungspults während einer Aufzeichnung.
Später war ich auch in der Regie und durfte dort zuschauen und auch selber z.B. Musik und Effekte für den „RTL Shop“ aus der Tonregie zuspielen. Außerdem habe ich sehr viel über die einzelnen Berufe in der Regie erfahren, z.B. über den Beruf des MAZers, des Bildmischers, des Bildingenieurs, des Toningenieurs und natürlich des Regisseurs.
Auch auf Außendrehs von „Unter Uns“ war ich dabei und konnte dort einiges über die Planung und den Ablauf solcher Drehs und das gesamte EB-Equipment erfahren.
Teilweise habe ich auch im Büro der technisches Leitung gearbeitet und war dort für die Bearbeitung der täglichen Eingangspost zuständig, die z.B. Angebote, Rechnungen, Anfragen und Mahnungen umfasste. Außerdem habe ich Termine mit Geschäftspartnern vereinbart und bei Sitzungen Protokoll geführt.
- Produktion / Projektleitung
Die Ausbildung zielt in den meisten Fällen auf einen Job als Produktionsassistenz hin.
In der Produktion / Projektleitung ist man immer für mehrere Projekte gleichzeitig tätig. Man muss auf jeden Fall Ordnung halten und sehr strukturiert arbeiten, um den Überblick zu behalten.
Meine Aufgaben waren z.B. das Schreiben von Produktionsanmeldungen, um alle Gewerke über wichtige Daten und Termine zu informieren, die Kontrolle von eingehenden Rechnungen, die Organisation von Schlüsseln und Parkchips für den Kunden, das Schreiben von Rechnungen und das Erstellen von Erlösaufteilungen, die Aktualisierung und das Versenden der Stabliste, die man von der zentralen Personaldisposition bekommt, die Auflistung des Bandmaterialverbrauchs für den Kunden, das Erstellen eines Raumbestückungsplan und eines Reinigungsplans für Studios und die Nebenräume, die über einen längeren Zeitraum angemietet sind, das Buchen der Produktions- und Produktionsnebenräume in einem speziellen Softwareprogramm, die Übergabe der Räumlichkeiten an den Kunden und nach Ende der Produktion die Abnahme der genutzten Räumlichkeiten.
Auch das Organisieren von geführten Studiotouren über das MMC Gelände in Hürth gehörte eine Zeit lang zu meinen Aufgaben. Ich habe telefonische oder über Fax oder Internet ankommende Anfragen bearbeitet, die Termine anschließend in einer speziellen Software gebucht und die Hostessen hierfür disponiert.
- Personalabteilung für feste Mitarbeiter (ca. 150 Mitarbeiter)
Hier gehörte das Erfassen der Krankheitsmeldungen und der Urlaubs- und Überstundenanträge zu meinen Aufgaben. Auch das Schreiben von Praktikantenverträgen habe ich übernommen. Außerdem ist man Ansprechpartner für alle personalbedingten Fragen der festen Mitarbeiter.
- Personalabteilung für freie Mitarbeiter (ca. 750 Mitarbeiter)
Hier wurden z.B. eingehende Rechnungen der freien Mitarbeiter kontrolliert und vorkontiert. Die Arbeitszeiten wurden anhand der Wochenleistungsnachweise ins System eingetragen. Die monatlichen Abrechnungen wurden erfasst und neue Mitarbeiter wurden angelegt, was einiges an Papierkram bedeutete.
- Buchhaltung / Rechnungswesen
Man übernahm das Vorerfassen, Kopieren und Weiterleiten der Eingangsrechnungen an den verantwortlichen Projektleiter, man verbuchte die frei gezeichneten Rechnungen und sortierte sie in den Zahllauf ein. Nach einiger Zeit habe ich auch eingehende Mahnungen kontrolliert und bearbeitet und zuletzt den neuen Azubi eingearbeitet.
- Controlling
Da in der Controllingabteilung eine Umstrukturierung stattfand, war ich hier nur sehr kurz.
Zum Controlling gehört das Sammeln, Analysieren und Aufbereiten von Daten um die bestmöglichen Entscheidungen für das Unternehmen treffen zu können. Ich habe z.B. alle PLAN und IST Zahlen der abgeschlossenen Produktionen eingetragen und verglichen. Daraus werden dann dementsprechende Schlüsse gezogen. Hier habe ich sehr viel mit Excel gearbeitet.
- EDV
In der EDV habe ich gelernt, was man unter „Allgemeinem User-Support“ versteht:
Wir haben für die eigenen Mitarbeiter aber auch für Firmen, die bei der MMC auf dem Gelände saßen unter anderem Domänenprofile erstellt, Arbeitsplätze eingerichtet, Netzwerkkarten konfiguriert, Hardware ausgetauscht, Software neu installiert, Updates aufgespielt, notwendiges Material bestellt und sehr oft Probleme mit Druckern gelöst.
- Zentrale Personaldisposition
In der zentralen Personaldisposition habe ich Produktionsnachweise der Mitarbeiter kontrolliert, Monatsabrechnungen der studentischen Aushilfskräfte (Kabelhilfen und Hostessen) kontrolliert und vorkontiert, festes und freies Personal disponiert und Arbeitsbühnen (Gelenksteiger oder Scheren) für verschiedene Produktionen auf Ansage des Projektleiters bestellt.
Zusätzlich zu diesen vorgeschriebenen Abteilungen, habe ich wegen besonderen Gegebenheiten oder auf eigenen Wunsch noch in folgende Abteilungen reingeschnuppert:
- Eventabteilung
In die Eventabteilung wurde ich geholt, weil eine Hausmesse einer unserer Lichtlieferanten stattfand. Zusammen haben wir in einem Meeting den Ablauf geplant. Daraufhin habe ich intern alle notwendigen Dinge bestellt, wie z.B. Möbel, Schlüssel, Personal, Reinigung, Parkplätze, Telefone und die einzelnen Gewerke koordiniert. Während der Veranstaltung stand ich als Ansprechpartner für plötzlich auftretende Probleme oder Wünsche zur Verfügung. Nach der Veranstaltung habe ich die Eingangsrechnungen geprüft und kontiert und eine Gesamtrechnung geschrieben.
In der Eventabteilung habe ich auch nach der Ausbildung noch ein paar Monate gearbeitet und Events von der Anfrage bis hin zur Endabrechnung organisiert und betreut.
- Innen- und Außenrequisite
Die Requisite gehörte früher einmal fest zur MMC, inzwischen ist sie eigenständig, sitzt aber noch auf dem Gelände. Auf meinen Wunsch hin durfte ich dort für einige Wochen arbeiten. Zu meinen Aufgaben gehörten dort die Recherche, die Requisitenbeschaffung, die Vorbereitung und der Aufbau der Requisiten im Studio z.B. bei „Schillerstraße“ oder auch auf Veranstaltungen wie z.B. auf einer Gala im Maritim Hotel, die Erneuerung der Requisiten während eines Drehs und anschließend der Abbau und Einlagerung bzw. Rückgabe der Requisiten.
- Ausstattung / Bühne (CAD)
Auch hier durfte ich auf eigenen Wunsch hin. Ich habe in der CAD-Abteilung technische Zeichnungen am PC angefertigt, wie z.B .Grundrisspläne, aber auch handwerklich gearbeitet, z.B. Modelle von Studios gebaut.
- Zentrale Materialdisposition / Zentrallager
Hier habe ich Materialanforderungen der Ingenieure für die kommenden Aufzeichnungen bearbeitet, Angebote bei unseren Lieferanten eingeholt, Material angemietet, die Wareneingangskontrolle durchgeführt, das Equipment sortiert, mit unserem Eigenbestand ergänzt und diese „Pakete“ in die jeweiligen Studios verteilen lassen.
- Kameraabteilung
Wir planten einen Imagefilm für die MMC. Hierfür war ich bei einer Location-Besichtigung in der Eifel dabei, habe mir Notizen und Fotos für die spätere Auswertung der potenziellen Drehorte gemacht. Leider ist das Projekt kurz darauf verschoben worden.
Des Weiteren gehören zu der Ausbildung auch die Teilnahme an Mitarbeiter- und Betriebsversammlungen.
Manchmal wurde einem der Besuch von Seminaren (z.B. bei der AOK: „Grundlagen der Sozialversicherung“) oder von Veranstaltungen (wie z.B. die Messe „World of Events“ in Wiesbaden) angeboten oder man machte seinem Vorgesetzten selber einen Vorschlag. Dafür gab es immer ein offenes Ohr.
Die Ausbildung bei der MMC hat mir unglaublich viel Spaß gemacht, ich habe viel über die Fernsehwelt gelernt und tolle Leute kennengelernt. Es gab immer etwas zu tun und es wurde einem nie langweilig. Ich glaube, es gibt nicht viele Unternehmen, bei denen die Ausbildung so vielseitig und spannend ist und bei denen man so viel von der Medienbranche mitbekommt wie bei der MMC.