Multimedia
Die Ausbildung der Kaufleute für audiovisuelle Medien in einer Multimediaagentur
Erfahrungsbericht I
Meistens ist es schwierig, den Leuten zu erklären, was der Beruf „Kaufleute für audiovisuelle Medien“ bedeutet. Es ist daher einfacher, diesen Ausbildungsberuf über die Fernsehbranche zu erklären, da dieses Medium jedem bekannt ist. Neben dem bekannten Ausbildungsbereich, Fernseh- und Filmproduktion, ist ein kleiner Teil dieser Ausbildung der Bereich Multimedia. Dieser Bereich ist durch das Internet immer weiter im Kommen.
Durch die voranschreitende Umgestaltung der Museen zu interaktiven Erlebnisräumen ist die Arbeit meiner Agentur mittlerweile für jedermann nachvollziehbar.
Multimedialität zeigt sich auch in der Firmenstruktur. Neben der Erstellung von Medien- und Veranstaltungstechnik und dem Vertrieb von Medienkunst und deren Digitalisierung und Konservierung, besteht ein großer Bereich der Arbeit darin, multimediale Anwendungen, Gestaltungs- und Präsentationskonzepte sowie interaktive Anwendungen, mediale Raumkonzepte und Interface-Lösungen zu entwickeln und umzusetzen. Dabei besteht die Aufgabe der Kaufleute für audiovisuelle Medien darin, die kreativen Mitarbeiter bei der Umsetzung, Planung und Organisation zu unterstützen und bei der Erstellung von Angeboten und Kalkulationen einzelner Medienproduktionen mitzuwirken. Dieses können zum einen Ausstellungskonzepte einzelner Museen, aber auch der Messeauftritt eines Unternehmens sein.
Sein ganzes Engagement kann man zeigen, wenn man die Projektleitung für sein eigenes Projekt übertragen bekommt. Dabei ist eine gute Kommunikationsfähigkeit sehr wichtig, da man mit verschiedenen Menschen aus unterschiedlichen Berufsrichtungen zu tun hat. Das können Grafiker, Programmierer, Techniker, Tontechniker, Texter, Übersetzer, Sprecher usw. sein. Flexibilität und die Eigenschaft, sich auf andere Menschen und deren Arbeitsweise einzulassen oder auf Terminverschiebungen zu reagieren, ist unverzichtbar. Man muss den Überblick behalten, den Kontakt zu dem Kunden, dem Auftraggeber und zu allen externen sowie internen Mitarbeitern pflegen und koordinieren.
Eine weitere Tätigkeit meiner Ausbildung ist die Pflege der Internetpräsenz des Unternehmens. Hier werden die abgeschlossenen Projekte den Geschäftskunden als Referenzprojekte präsentiert. Für diese Arbeit ist es wichtig, Bildmaterial und deren Bildrechte zu beschaffen, sowie die entsprechenden Texte zu entwerfen. Dies geschieht unter anderem durch die Rücksprache mit den Kollegen, die an dem jeweiligen Projekt beteiligt waren.
Da unsere Medienagentur eher ein kleines Unternehmen ist, liegt ein weiterer Aufgabenbereich der kaufmännischen Ausbildung darin, die Buchhaltung des Unternehmens vorzubereiten, um einmal im Monat mit dem Steuerberater die Buchführung zu bearbeiten. Dadurch knüpft die schulische Ausbildung direkt an die Praxis an. Man kann durch den praktischen Umgang die Theorie der Schule direkt anwenden und verstehen. Auch das in der Schule vermittelte Wissen zur Personalverwaltung lag in dem Aufgabenfeld. Bewerbungen wurden bearbeitet, weitergeleitet, Absagen verschickt und Kontakt mit den Bewerbern aufgenommen.
Neben der telefonischen Kontaktaufnahme ist auch der Kontakt über E-Mail nicht mehr wegzudenken. Somit sind Kenntnisse von Office-Programmen genauso hilfreich wie eigenständiges Arbeiten und die Bereitschaft, im Team tätig zu sein. Da es sich bei dem Beruf der Kaufleute für audiovisuelle Medien um einen Beruf handelt, der sich hauptsächlich im Büro abspielt, sind die Arbeitszeiten bei uns zwischen 10-18 Uhr festgelegt. In den stressigeren und auftragsstärkeren Jahreszeiten, wie Frühjahr und Herbst, kommt es aber auch vor, dass länger gearbeitet wird.
Ich kann diesen Beruf daher jedem empfehlen, der Spaß daran hat, einen abwechslungsreichen Beruf auszuüben.
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Erfahrungsbericht II
Die Ausbildung zum Kaufmann für audiovisuelle Medien war bei mir kein Spontanentschluss. Mit ca. 16 Jahren machte ich die Bekanntschaft eines Artists and Repertoire Managers (A&R Manager scouten neue musikalische Talente und kümmern sich um deren Management), der mir von seinem Job erzählte. Seit diesem Augenblick war mein Interesse für das breite Feld der Medien geweckt, und mein Entschluss zu einer Ausbildung reifte von Tag zu Tag mehr. Als die Zeit für eine Bewerbung gekommen war, unternahm ich die üblichen Schritte. Allerdings ist der Markt für Ausbildungsplätze dieser Art sehr spärlich gesät – auch in einer Medienhochburg wie Köln. Da ich der festen Überzeugung war, dass eine Ausbildung egal welcher Art immer eine grundsolide Sache ist, auf die man im späteren Verlauf des Lebens wieder zurückgreifen kann, streute ich meine Bemühungen und bewarb mich ebenso als Werbe- und Veranstaltungskaufmann. Gleichzeitig bewarb ich mich zur Sicherheit an der Universität zu Köln für Betriebs- und Volkswirtschaftslehre, obwohl ich lieber Medienwirtschaft studiert hätte. Allerdings lag der numerus clausus in Köln bei 1,2 zu dieser Zeit. Nach vielen Bewerbungsschreiben und einigen Vorstellungsgesprächen stand ich immer noch mit leeren Händen da. Die Zeit wurde immer knapper und die Zuversicht stetig kleiner. Viele Unternehmen antworteten gar nicht auf meine Bewerbung und die, die es taten, leider mit einer Ablehnung. Scheinbar hatte die Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen einen Pakt mit den Ausbildungsbetrieben geschlossen und sandte mir auch kein positives Signale. Letztlich stellte ich mich auf ein weiteres Praktikum ein. Doch vorher wollte ich noch einen letzten Versuch starten. Ein sehr junges Unternehmen suchte noch nach einem Kaufmann für audiovisuelle Medien. Ich entschied mich, den Weg der Online-Bewerbung zu gehen, da die Frist schon quasi abgelaufen war. Wenige Stunden später hatte ich eine Einladung zum Gespräch in der Mailbox und einen Tag später saß ich schon im gläsernen Büro. Am selben Tag noch bekam ich die Zusage für einen Ausbildungsplatz und unterschrieb zwei Tage später den Ausbildungsvertrag. Eine Woche später kam sogar noch die Zusage der ZVS für einen Studienplatz an der Universität für Köln. Das Glück war mir also wieder hold!
In Deutschland besteht das System der dualen Berufsausbildung. Sie bezeichnet die parallele Ausbildung in Betrieb und Berufsschule. Meine Berufsschule war das Joseph-DuMont-Berufskolleg in Köln. Dort genoss ich Blockunterricht, d.h. sechs Wochen Schule an einem Stück. Engagiert und mit viel Verständnis wurde so gelehrt, dass niemand den Anschluss verlor und so alle gleich auf den Abschluss vorbereitet wurden. Aktuelle Themen und Geschehnisse wurden behandelt und viele Externe für Fachbeiträge und –vorträge eingeladen. Es gab auch diverse Exkursionen in Betriebe von Mitschülern, um die in der Theorie besprochenen Sachverhalte in der Praxis zu erfahren. Fokus der Ausbildung lag in der Schule auf den klassischen Gebieten Film, Hörfunk und Fernsehen. Da mein Betrieb aus der Multimedia-Branche, genauer dem Internetbereich kommt, konnte ich so viele Einblicke in Themen gewinnen, die ich nicht täglich auf der Arbeit behandelte.
Der Bildungsgangleiter, Herrn Küstner, der immer sehr hohen schulischen Einsatz gezeigt hat, aber auch auf der persönlichen Ebene für jeden Schüler ein offenes Ohr hatte, regte auch eine Klassenfahrt an, bei der sich der dreizügige Ausbildungsgang des Jahrgangs MB05, also die Klassen A, B und C, besser kennenlernen sollten. Eine fünftägige Kanutour durch den malerischen Osten unserer Republik führte zusammen, was noch auf dem Schulhof wie drei klar von einander abgegrenzte Gruppen aussah. Von da an waren die drei Klassen wie eine große eingeschworene Gemeinschaft. Dies zeigte sich auch bei Vorbereitungstreffen für die Zwischen- und Abschlussprüfung. Es wurde mit- und nicht gegeneinander gearbeitet. Diese Haltung zeichnete rückblickend auch unsere Klassengemeinschaft aus. Alle kamen super miteinander aus, niemand wurde ausgegrenzt und alle Entschlüsse fielen im absolut 100%igen Konsens. Als der Tag der Abschlussprüfung vor der Tür, stand betrachtete ich diesen mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Man sagt ja immer, dass die Schulzeit die beste Zeit ist. Genauso fühlte ich mich damals nach dem Abitur und genauso erging es mir am Tag der entscheidenden Prüfung. Zumal ich den letzten Block verpasste, wo ein Filmprojekt umgesetzt wurde, zu dem ich die Idee und das Drehbuch erarbeitet hatte. Allerdings verkürzte ich meine Ausbildung von 3 auf 2,5 Jahre. Somit kam ich nicht mehr in den Genuss des Filmdrehs. Nach überstandener Prüfung war die Ausbildung also vorbei. Die Arbeit ging allerdings weiter. Ich wurde von meinem Betrieb übernommen. Dies kam mir sehr zugute, da ich zu Beginn des zweiten Ausbildungsjahres ein berufsbegleitendes Studium angetreten hatte. So hatte ich das Beste aus beiden Welten verbunden – eine grundsolide Ausbildung und ein Studium in dem Gebiet, wo ich mein Steckenpferd seit meinem 16 Lebensjahr hatte: Medienwirtschaft.
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