Filmtheater
Die Ausbildung der Kaufleute für audiovisuelle Medien in einem Filmtheater
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> Erfahrungsbericht II
Erfahrungsbericht I
Im ersten Lehrjahr fängt man erst mal klein an. Wöchentlich müssen Concession-Artikel wie Popcorn, Getränke, Süßwaren oder Nachos auf Mengen geprüft und bestellt werden. Für den Eingangsbereich muss die Dekoration mit aktuellen Filmplakaten und Zuschauerinformationen organisiert und kontrolliert werden. Zeitungen und andere öffentliche Medien müssen über die neuen Spielzeiten der aktuellen Kinowoche informiert werden.
Nach und nach werden einem dann folgende weitere Aufgabenbereiche anvertraut:
- Erstellung eines Dienstplans für das Vorführ- und Thekenpersonal
- Abrechnung und Bezahlung der Spielfilme an die Verleiher
- Bearbeitung des Kassensystems
- Programmgestaltung und Filmauswahl für den Spielplan
Im Vergleich zu anderen Bereichen in der Medienbranche hat man in der Kinoverwaltung sicherlich die regelmäßigsten Arbeitszeiten. Bei Sonderveranstaltungen wie Premieren, Previews oder Pressevorstellungen, kann es aber natürlich auch schon mal etwas länger dauern.
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Erfahrungsbericht II
Mehr als Popcorn und Cola
Die Ausbildung bei der CineWest Kinobetriebs GmbH In Hachenburg
Wer denkt, eine Ausbildung im Kino zum Kaufmann für audiovisuelle Medien besteht lediglich aus dem Verkauf von Popcorn, Cola, dem Abreißen der Kinokarten und dem Aufräumen der Kinosäle, der liegt falsch. Natürlich sind dies auch Bestandteile der Ausbildung und man sollte auch alle Arbeitsabläufe im Kino kennen.
Das Multiplexkino in Hachenburg, einer kleinen Stadt (ca. 8000 Einwohner) im nördlichen Westerwald, ist in seiner Region einzigartig und besitzt eine Monopolstellung. Rund 60 Teilzeitkräfte sind hier und im angrenzenden Restaurant angestellt. Im Moment gibt es vier Auszubildende, eine Festangestellte in der Buchhaltung und einen festangestellten Vorführer, die zusammen mit den drei Geschäftführern die Verwaltungsebene bilden.
In der Verwaltung gibt es folgende Arbeitsbereiche: Buchhaltung, Programmgestaltung, PR & Kommunikation und Sonderaktionen.
Die Buchhaltung bietet das übliche Bild: Hier werden Rechnungen an Werbekunden geschrieben, die täglichen Einnahmen werden gezählt und verbucht und die Filme anhand der Einnahmen abgerechnet. Außerdem wird hier der Warenverzehr kalkuliert und entsprechend dem erwartenden Abverkauf die Ware bestellt. Wartet der nächste Blockbuster, kann das Warenlager auch schon mal mit Nachokartons, Popcornsäcken und Colafässern überlaufen.
Welche Filme sollen laufen? Zu welchen Uhrzeiten sollen diese Filme laufen? Wie viele Vorstellungen pro Tag soll es geben? Mit diesen Fragen beschäftigt sich die Programmgestaltung. Sobald ein Spielplan der Kinowoche (immer von Donnerstag bis Mittwoch) steht, wird auf dessen Basis der wöchentliche Kinoflyer in Auftrag gegeben. Auch die Tageszeitung und Wochenmagazine erhalten die Angaben für die aktuelle Ausgabe.
Wichtig für den Erfolg der laufenden Filme und des Kinos, ist die Werbung. Die Werbung für die Filme wird natürlich von den Verleihern übernommen. Wir als Kino versuchen den möglichen Besuchern den Film nachdrücklich schmackhaft zu machen. Hierbei spielen Gewinnspiele in der Presse und auf der Homepage eine große Rolle. Zu etlichen Filmen erhalten wir Merchandising-Artikel, die wir verlosen. Der interaktive Austausch und der persönliche Kontakt zwischen Besuchern und Kino wird hierbei in den Vordergrund gerückt.
Seit dem ersten Hachenburger Filmfest des Neuen Deutschen Films im Jahre 2007 bin ich außerdem für die Pressearbeit verantwortlich. Während die regionale Presse relativ schnell gewonnen werden konnte, tut sich die überregionale Presse immer noch schwer, ein solches in den Kinderschuhen stehendes Ereignis in die tägliche Berichterstattung aufzunehmen. Hier heißt es Klinkenputzen. Doch so langsam etabliert sich dieses Filmfest in der deutschen Festivallandschaft. Umso einfacher wird es, die Presse auf uns aufmerksam zu machen. Anfänglich saßen drei Journalisten in der Pressekonferenz, mittlerweile sind es über zehn interessierte Reporter, die auch einen weiteren Weg auf sich nehmen. Stolz macht es einen, wenn sein Pressebericht bei den Internetpräsenzen von N24, n-tv oder der FAZ auftaucht.
Dann hat sich die Arbeit gelohnt. Wie im letzten Jahr geschehen.
Die Filmstart-Sonderaktionen bieten ein völlig anderes Bild. Da gibt es z.B. ein Bobbycar Rennen zum Filmstart von „Cars“, eine Kinderolympiade zu „Asterix bei den olympischen Spielen“ oder ein Bikertreffen zum Film „Born To Be Wild“. Der Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt. Neben Aktionen zu Filmstarts wartet die wöchentliche Sneak Preview (Film vor Bundestart für 4€, aber niemand weiß was kommt) auf ihren Moderator. Hier geht es jede Woche rund wie auf einem Kindergeburtstag: erst wird gespielt (an den Film bzw. Filmtitel angelehnt), es gibt was zum Naschen (Abriss dient als Los) und außerdem gibt es Spannung (den Film). So gab es Spiele wie Topfschlagen, einen Dancecontest, sowie ein Schnitzelwettessen. Abseits der Sneak Preview und der Filmstart Sonderaktionen, geben sich auch einige Prominente und die, die sich als solche ausgeben, die Ehre, das Kino im schönen Westerwald aufzusuchen. Oliver Pocher, Jan Josef Liefers, Otto und seine Zwerge oder die wilden Kerle, angeführt von Jimi Blue Ochsenknecht, brachten die Menge und die kleinen Mädels in ekstatische Zustände.
Neben all diesen Tätigkeiten, die in die Verwaltungsschiene gehören, darf man die handwerkliche Arbeit nicht vergessen. Denn das Filmvorführen, das auch zum Aufgabenbereich der Ausbildung im Kino gehört, ist mehr als eine DVD in einen kleinen flachen Player zu schieben und auf Start zu drücken. Die Filme werden in fünf bis sechs Akten geliefert, die vor ihrem ersten Abspielen noch „aufgebaut“ werden müssen. Dies dauert pro Film zwischen 30-45min. Um die einzelnen Akte miteinander zu verbinden, werden die Akte mit einer Art Tesa-Film zusammen geklebt. Standardprojektoren erhalten von auf dem Film geklebten Metallplättchen Signale, wann der Vorhang aufgehen oder das Licht gedimmt werden soll. In dem Programmkino, das ca. 15min entfernt ist, ist dies noch ganz anders. Jeder Befehl (Vorhang auf, Licht aus, Musik leiser etc) wird hier noch von Hand getätigt. In dem kleinen gemütlichen Kino aus den 50er Jahren schmeißt der Vorführer (hauptsächlich Azubis) abends alleine den Laden und ist Thekenkraft und Vorführer in einem.
Alles in allem bietet die Ausbildung zum Kaufmann für audiovisuelle Medien im Cinexx Kino Hachenburg einen vielseitigen Einblick in die Führung eines kleineren Multiplexkinos. Anders als bei großen Firmen hat man Einfluss, etwas zu verändern und auch die Freiheit, seine persönlichen Ideen umzusetzen.
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