Film / Fernsehen
Die Ausbildung der Kaufleute für audiovisuelle Medien bei einer Fernsehproduktionsfirma
> Erfahrungsbericht I
> Erfahrungsbericht II
Erfahrungsbericht I
Im Juni 2008 habe ich meine Ausbildung zur Kauffrau für audiovisuelle Medien bei RTL Television beendet. Die dreijährige Ausbildungszeit ist wie im Flug vergangen, ich weiß noch genau, wie ich am 1. September 2005 aufgeregt das große RTL-Gebäude betrat, wie ich die anderen Azubis kennen lernte und wie uns von den älteren Auszubildenden unser neuer Arbeitsplatz präsentiert wurde.
Mein erster Einsatzort war die Personalabteilung, die anderen kaufmännischen Abteilungen wie Entgeltabrechnung, Finanzbuchhaltung und Controlling, die bei RTL Television jeder Azubi zunächst durchläuft, folgten. Zudem lernte ich die Arbeit in der Redaktion von Explosiv kennen, war dort auch bei Drehs und im Schnitt und direkt in Studio und Regie dabei, erledigte aber größtenteils organisatorische Aufgaben.
Die Ausbildung zum/ zur Kaufmann/ -frau für audiovisuelle Medien beinhaltet neben den kaufmännischen, organisatorischen und planerischen Bereichen auch den Bereich Produktion. So war ich in meinem zweiten Ausbildungsjahr in der Sportproduktion eingesetzt und konnte bei der Vier-Schanzen-Tournee vor Ort sein. Zwei Wochen war ich an den verschiedenen Schanzen unterwegs und half dort bei der Organisation der Übertragung.
Ebenfalls spannend war die Arbeit im Bestandsmanagement und im Film- und Serieneinkauf. Hier werden alle Spielfilme und Serien gekauft und rechtlich verwaltet, die RTL nicht selbst produziert.
Während der Ausbildungszeit realisierten die Auszubildenden Kaufleute für audiovisuelle Medien in Zusammenarbeit mit den Mediengestaltern Bild und Ton zwei Kurzfilme, die wir in Eigenregie produzierten und dabei Erfahrungen in Drehorganisation sammeln sowie die Arbeit der Mediengestalter kennen lernen konnten.
Da ich schon lange den Bereich Werbung/ Marketing spannend fand, konnte ich im letzten Ausbildungsjahr schließlich auch eine Station bei der IP Deutschland, dem Werbezeitenvermarkter von RTL, im Marketing absolvieren. Hier geht es insbesondere darum den Sender und dessen Programme beim Kunden besonders ansprechend zu präsentieren und die Werbepreise zu kalkulieren, dies alles in enger Zusammenarbeit mit dem Sender.
Zum Schluss meiner Ausbildung wurde ich dann bei RTL Creation, einer 100%igen RTL-Tochter, in der Mediaplanung eingesetzt. Ein Glücksfall, wie sich später herausstellte, denn hier wurde eine Trainee-Stelle frei, die ich sofort nach der Ausbildung beginnen konnte.
Zur Ausbildung gehörte natürlich nicht nur der betriebliche Teil. In sechs Schulblöcken am Joseph-DuMont-Berufskolleg wurde uns das theoretische Wissen vermittelt, welches in einer Zwischenprüfung sowie einer schriftlichen und mündlichen Abschlussprüfung vor der IHK abgefragt wurde.
Die Hauptfächer in der Berufsschulausbildung sind MBL (Medienbetriebslehre) und AWL (Allgemeine Wirtschaftslehre)/ Marketing. Hinzu kommen Rechnungswesen, MBL/ Produktion, Deutsch, Englisch, Multimedia und auch Sport. Während des Blockunterrichtes, der zweimal im Jahr in sechs Wochen langen Schulblöcken erfolgt, erlernte ich die kaufmännischen und auch medien-/ produktionsrelevanten Grundlagen für den Beruf der Kauffrau für audiovisuelle Medien.
Der Unterricht wurde häufig durch Präsentationen, Gruppenarbeit und Projekte gestaltet. In diesem Zusammenhang lernten wir auch den richtigen Umgang mit Präsentationsmedien und dem geeigneten Aufbau von Präsentationen vor der Klasse. Diese Fertigkeiten konnten wir dann bei der mündlichen Abschlussprüfung, bei der die Azubis auch auf das Präsentationsgeschick geprüft werden, anwenden.
Generell kann ich sagen, dass die Vorbereitung auf die IHK-Prüfungen in der Berufsschule sehr gut war und man nach den Schulblöcken ausreichend auf die Prüfungen vorbereitet war.
Im sechsten und letzten Schulblock, an dem nicht mehr alle Azubis teilnahmen, da einige die Ausbildung auf zweieinhalb Jahre verkürzten, konnten wir unsere in der Theorie erlernten Kenntnisse dann auch in die Praxis umsetzen, soweit wir das im Betrieb nicht schon getan hatten: diese Zeit wird jedes Jahr für den Dreh eines Abschlussfilms genutzt. Die Ideen wurden zuvor im Deutschunterricht entwickelt und ein Drehbuch geschrieben. Mit Unterstützung unserer Lehrer, den Ausbildungsbetrieben und Sponsoren konnten wir so das Drehbuch verwirklichen und unseren Film selbst produzieren. Diesen präsentierten wir dann auf einer Premierenfeier unseren Mitschülern, Ausbildern und Familien. Ich kann nur empfehlen, die Ausbildung über die vollen drei Jahre zu absolvieren und diese Erfahrung mitzunehmen.
Insgesamt war diese Ausbildung für mich absolut die richtige Entscheidung. Inhaltlich hat sie genau meine Erwartungen erfüllt, sowohl im Betrieb als auch in der Berufsschule konnte ich spannende Erfahrungen sammeln.
Allen, die sich für eine kaufmännische Ausbildung, aber auch für die Arbeit in einem Medienunternehmen, sei es ein Fernseh- oder Radiosender, eine Produktionsfirma, ein Kino oder ähnliches, interessieren, kann ich diesen Ausbildungsberuf ans Herz legen. Man kann sehr vielfältige Kenntnisse erlangen, interessante Erfahrungen sammeln und nachher in die verschiedensten Bereiche der Medienbranche gehen.
nach oben
Erfahrungsbericht II
Die Ausbildung der Kaufleute für audiovisuelle Medien bei einer Fernsehproduktionsfirma zu absolvieren, ist Wunsch vieler junger Menschen. Um einen der begehrten Ausbildungsplätze zu erhalten, muss man als Bewerber /-in folgende Voraussetzungen erfüllen:
- Abgeschlossene Schulbildung
- Vorzugsweise praktische Medienerfahrung
Der Ausbildungsschwerpunkt liegt im Erlernen kaufmännischer Tätigkeiten auf dem Gebiet der Produktionsorganisation von TV-Sendungen. Von der Vorbereitungsphase verschiedener TV-Produktionen, über die Dreh- und Abwicklungsphase, lernen die Auszubildenden sämtliche Arbeitsvorgänge kennen und übernehmen dabei auch selbstständig Aufgaben.
Mal in der Rolle einer Produktionsassistenz, deren Tätigkeiten sich an der Seite der Produktionsleitung auf die Organisation und Verwaltung verschiedener Produktionsabläufe beziehen, wie zum Beispiel die Betreuung der ProduktionsmitarbeiterInnen durch das Einrichten des Arbeitsplatzes, Erstellung von Verträgen nach Vorlage, Prüfung der Barkostenabrechnungen, Büromaterialbestellung, Pflegen der Urlaubsdatei, Reisekoordination, Ausgabe von technischem Material und vielem mehr. Oder auch in der Rolle einer Aufnahmeleitungsassistenz, deren Arbeit rund um die Organisation und Durchführung des Drehablaufes stattfindet, wie zum Beispiel das Einholen von Drehgenehmigungen, Recherche nach Drehlokalitäten etc.. Daneben erhalten die Auszubildenden auch Einblicke in redaktionelle Tätigkeitsbereiche und kommen in Kontakt mit technischen Systemen (Kamera, Bandmaterial, Schnittsysteme u.s.w.), was ergänzend für das Gesamtverständnis im Rahmen der Produktion audiovisueller Medien hilfreich ist.
Die Arbeit sowohl in Produktion als auch in den Verwaltungsabteilungen setzt Teamfähigkeit und für den Umgang und die Kommunikation mit vielen verschiedenen Menschen aus unterschiedlichen Bereichen (Institutionen, Sender, Moderation, Dienstleistungen aus den Bereichen Technik, Kostüm, Maske etc.) Kontaktfreude voraus. Des Weiteren ist ein hohes Maß an Flexibilität gefragt, da Dreharbeiten nicht ausschließlich wochentags zwischen 09:00 und 18:00 Uhr stattfinden und häufig spontan auf wechselnde Umstände reagiert werden muss. Während der einzelnen Phasen einer Produktion wechseln sich in der Regel sehr arbeits- und zeitintensive Zeiten, in denen man sicherlich auch einen hohen Grad an Belastbarkeit vorweisen können sollte, mit ruhigeren ab.
Der Einsatz der Auszubildenden in Verwaltungsabteilungen, wie zum Beispiel in der Finanzbuchhaltung, Personalabteilung, Herstellungsleitung und dem Archiv, bildet einen wesentlichen Bestandteil der kaufmännischen Ausbildung und führt zu einem erweiterten Verständnis der in der Berufsschule gelehrten Inhalte. Hat man zum Beispiel in der Berufsschule das Thema Personalwesen durchgenommen, so ergibt sich im Einsatz der Personalabteilung die ideale Verknüpfung zwischen Theorie und Praxis.
Der Wechsel zwischen Verwaltung und Produktion und das Erleben der verschiedenen Tätigkeiten aus immer wieder anderen Perspektiven erzeugt das notwendige Verständnis bei der Verknüpfung einzelner Gewerke eines Unternehmens und sensibilisiert den Auszubildenden für den Umgang in den entsprechenden Wechselbeziehungen.
Die Arbeit im Unternehmen in Kombination mit der Berufsschule ergibt eine bestens abgestimmte Mischung aus gelehrter Theorie und Praxis und schafft die notwendige Basis für den Berufseinstieg und oder ein darauf aufbauendes Studium. Die zeitliche Organisation in Form von Blockunterricht abwechselnd mit dem praktischen Einsatz im Unternehmen über drei Jahre ist von Vorteil, da man sich so jeweils ausschließlich auf die entsprechenden Inhalte konzentrieren kann.
Mit dem IHK-Abschluss zur / zum Kauffrau/ -mann für audiovisuelle Medien ist man als Berufseinsteiger vielseitig in den unterschiedlichen Bereichen eines Medienunternehmens einsetzbar. Ob Produktion, Verwaltung oder auch Marketing beispielsweise, die erlernten kaufmännischen Grundlagen qualifizieren für viele verschiedene Aufgabengebiete und lassen sich je nach Bereich ausbauen und spezifizieren.
nach oben